Sprache

Artikel mit dem Schlagwort Sprache.

Korrigieren

Ich bin – außer mich selbst – nicht selten auch versucht, Blogbeiträge anderer in den Kommentaren zu korrigieren, vor allem wenn Grammatikfehler im Text sind.

Die Motivation ist dabei eher nicht Besserwisserei, sondern Fremdschämen. Ich will es dem Schreiber am liebsten ersparen, dass noch mehr Leute den Fehler lesen und deshalb schlecht von ihm denken. Genau deshalb sind mir offensichtliche Tippfehler egal, das kann passieren. Aber Fehler wie das und dass zu verwechseln oder andere wirkliche Denkfehler in Satzbau und Grammatik bin ich geneigt zu kommentieren.

Trotzdem tu’ ich es meist nicht, aus (falscher?) Höflichkeit oder weil man eben doch unweigerlich als Besserwisser rüberkommt. Ich sollte aber wohl trotzdem, denn ich selbst freue mich, wenn ich auf einen peinlichen Fehler hingewiesen werde. Dann ist er nämlich weg.

Dieser kleine Text hat einen konkreten Anlass. :)

Manchmal will man längere Artikel nicht ganz auf der Startseite seines Blogs haben, sondern nur den ersten Teil. Bei Wordpress funktioniert dieser Mechanismus mit < ! - - m o r e - - > (ohne Leerzeichen), das auf der Startseite durch einen Text mit Link auf den vollen Artikel ersetzt wird. Was dieser Text ist, kann man anpassen.

Nun die Frage: Hat es irgendjemand geschafft, eine sprachlich saubere Lösung dafür zu finden? Sie sollte zum einen nach einen kurzen (Halb-)Satz passen, in dem man darauf hinweisen kann, was noch alles kommt. Und zum anderen ohne Hässlichkeiten wie “nach dem Klick” auskommen.

Auf Fiket habe ich “Weiterlesen »” als Linktext. Das kann alleine nach einem fertigen Satz stehen; es böte sich auch die Formulierung “Für bla bla bitte weiterlesen” an (mit dem Link auf dem letzten Wort), aber da der Linktext in der Vollansicht des Artikels nicht mehr angezeigt wird, hat man dort dann einen unfertigen Satz stehen.

Gibt es ein Plugin, mit dem man den Mechanismus aufbohren kann? Optimal wäre es, optional in jedem Fall den Linktext angeben zu können.

Nachtrag, 10. Aug. 07: Ich war eben kurz davor, ein entsprechendes Plugin zu schreiben, das einem erlaubt < ! - - more Eigener Linktext - - > zu benutzen. Als ich mir anschaute, wie das Zusammenspiel der diesbezüglichen Funktionen und Parameter in Wordpress eigentlich funktioniert, kam ich zu dem Schluss, dass man mit einem Filter nicht viel weiter kommt und eigentlich get_the_content überschreiben müsste, weil da nachgeschaut wird, wo das more steht und entsprechend ersetzt wird. Und was sieht man da (Zeile 86)? Dass der Text nach “more” per RegExp schon abgefangen wird und tatsächlich den bisherigen Linktext ersetzt. Das von mir gewünschte Feature ist also schon implementiert! Sehr schön, aber meines Wissens schlecht dokumentiert. Man würde erwarten, dass das hier steht. Ich habe es mal hier nachgetragen.

Es war immer wieder ein Lacher auf der Re:Publica, wenn jemandem “der Blog” oder “meinen Blog” herausrutschte. Dann kamen sofort die Rufe durch den Saal, dass das doch bitte “das Blog” heiße. Einige scheinen da richtiges Engagement zu entwickeln.

Ich selbst benutze meist den sächlichen Artikel, aber bin auch mal inkonsequent. Bis vor kurzem war der Titel dieses Blogs “Das BlogBlog – ein reiner Metablog”. Leute, die die (laut Duden zulässige) maskuline Form benutzen, bekommen dann gleich das Standardargument zu hören, Blog komme ja schließlich vom Logbuch und sei deswegen Neutrum.

Lasst uns das aber noch einmal auseinandernehmen, auch wenn ich mich wiederhole. Vorab zwei allgemeine sprachliche Tatsachen:

  1. Das Geschlecht eines zusammengesetzen Wortes wird vom letzten Teil bestimmt. Die Haustür, das Reihenhaus.
  2. Lehnworte aus einer anderen Sprache haben nicht notwendigerweise das gleiche Geschlecht wie das gleichbedeutende Nicht-Frendwort. Der Drink, das Getränk. Das Ticket, die Fahrkarte.

Wenn man das deutsche Geschlecht von “weblog” ableiten will, muss man sich also nur um das von “log” kümmern. Es gibt “das Log” sogar im Deutschen und damit ist das Seefahrtinstrument gemeint, das den ersten Teil von “Logbuch” bildet. Das Log an sich hat aber herzlich wenig mit dem Weblog zu tun, denn der Zusammenhang ergibt sich erst aus dem Logbuch, dessen Geschlecht wiederum erstens von “Buch” bestimmt wird und zweitens nie mit “Log” abgekürzt wird.

Dass “Log” trotzdem in der Bedeutung “Protokoll” oder “Tage- bzw. Fahrtenbuch” ins Deutsche Einzug nimmt, liegt daran, dass es im Englischen sehr wohl das Wort “log” (wiederum von “logbook”) in der eben genannten Bedeutung gibt. Bei der deutschen Verwendung handelt es sich also um ein Lehnwort und bei “Blog” erst recht.

Jetzt braucht man sich nur doch die beiden Punkte oben in Erinnerung rufen, um einzusehen, dass weder die Ableitung aus dem Deutschen noch die aus dem Englischen das neutrale Geschlecht von “Blog” bedingen. “Der Blog” ist also erst falsch, wenn alle nur noch “das Blog” benutzen.

Ach, und es heißt das Nutella!

Andreas und René denken darüber nach, wie sich die Bloggosphäre verändert hat, härter geworden ist.

Das beurteilen zu können, kenne ich zu wenige Blogger persönlich, aber ich finde man kann es mit seiner Netzkommunikation genau wie im “richtigen” Leben halten: Man sucht sich die Leute am Ende selbst aus, mit denen man zu tun haben will.

Völlig ohne Bezug: Mir fällt gerade auf, dass ich als einziger “Bloggosphäre” mit Doppel-g zu schreiben scheine. Entweder ist das wieder der schwedische Einfluss (hier heißt es “blogg” und “bloggosfären”) oder einfach die konsequentere deutsche Schreibweise, mit der Konsonantenverdoppelung nach kurzem Vokal.

Die große Astronomie-Konferenz in Prag letzten August war das einzige “Event”, von dem ich bisher richtig viel gebloggt habe. Das hat aber richtig Spaß gemacht. Ich hatte den Blog ein paar Tage vorher bei Blogger angelegt, dort meine Absicht verkündet und andere Teilnehmer zum mitbloggen eingeladen. Da Bloggen ohne Leser langweilig ist, habe ich eine einzige Email an einen der meistgelesenen Astro-Blogger, den Bad Astronomer, geschickt, mit der Bitte, auf dieses temporäre Blog aufmerksam zu machen.

Das tat dieser auch prompt und ein paar andere Astro-Blogger lasen mit, kommentierten sporadisch und verlinkten. Ich schrieb 70, meist nicht einmal kurze, Beiträge in 5 Tagen. Das war anstrengend, aber hat mir auch selbst viel gebracht. Ich musste den Vorträgen aufmerksamer zuhören, um die Hauptaussage zu destillieren. Außerdem ist es ein weiterer Schritt im eigenen Verstehen eines Sachverhalts, diesen konsistent in eigenen Worten auszudrücken. Das noch während der Vorträge zu machen und mit dem Ende der 2-3 Minuten Fragen an den Redner auf “Publish” zu drücken und zum nächsten überzugehen, war ein interessantes Selbstexperiment.

Ich konnte nach einigen Tagen auch zwei Kollegen aus Uppsala und Stockholm überreden, mitzumachen und so entstanden noch mehr Vortragszusammenfassungen. Alle Texte habe ich dann später in ein eigenes Wordpress-Blog überführt, der sogar weiterhin sporadisch mit astronomischen Dingen gefüllt wird. Es heißt Apparent Brightness und im dortigen Archiv findet man oben genannte Konferenzbeiträge.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Ich fahre in zwei Wochen wieder einmal zum Beobachten an ein Teleskop. Zwei Nächte am Nordic Optical Telescope auf La Palma. Ich war da schon häufiger und kenne alles gut genug, dass ich Zeit zum Bloggen finden werde. Ich denke dabei wieder an eine Art “Power-Bloggen” mit vielen Beiträgen in schneller Folge, um einen echten Eindruck der Abläufe zu vermitteln.

Jetzt die Gretchenfrage: In welchem Blog und in welcher Sprache?

Das einfachste wäre, Englisch auf Apparent Brightness zu schreiben. Leider sind die Leserschaften aber sehr stark nach Sprachen getrennt und auf Deutsch gibt es meines Wissens wenig gute Blogs von Astronomen. Es wäre eine gute Gelegenheit, ein weiteres deutsches Blog aufzumachen. Dazu kommt noch, dass ich schon lange anfangen will, auf Schwedisch zu schreiben, weil mir da immer noch der ein oder andere Fehler unterläuft und man in meinem Metier wenig Übung bekommt, weil alles Geschriebene auf Englisch ist. Das wäre sicherlich die herausforderndste Alternative und ich könnte sie gleichzeitig als Aktivität zur Popularisierung meiner Forschung anrechnen, die man in Schweden schon als Doktorand zum Auftrag hat.

Schwierige Entscheidung.

Nakt Googeln

Dass ich einmal das schwedische Äquivalent zu “Fleischer nackt” in die Bildersuche von Google eingeben würde, hätte mir bis eben zu denken gegeben. Es kam kein Ergebnis.

Ich war kurz davor, den verlinkten Artikel scherzhaft mit “Alltag” oder “Kultur” zu taggen, wollte mich dann aber doch nicht selber spammen.

Außerdem hasse ich es, wenn mir Fehler im Deutschen unterlaufen, weil man es im Schwedischen anders schreibt. “Nackt” ist hier “naken” mit langem “a” und prompt schrieb ich in dem Beitrag zwei Mal “nakt” anstatt “nackt”.

Zuletzt: Ist es nicht toll, dass man einen Blogbeitrag über einen anderen, eigenen schreiben kann, der länger ist, als der ursrüngliche?

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: